Dorfkirche 800 Jahre Dorfkiche

 

 

Gedanken zum Monatsspruch

von Katharina Schumann

 
In diesen Tagen könnte kein Text aktueller sein. Die Berichte in den Medien mit den anschließenden Kommentaren in Zeitung, Fernsehen und Internet stellen immer wieder die gleiche Frage: was ist moralisch bereits fragwürdig, auch wenn es gesetzlich noch erlaubt ist? Argumente werden ausgetauscht und kontrovers diskutiert.  Die Gemüter sind erhitzt; eine Spaltung geht durch die Bevölkerung, die durch sogenannte Trenderhebungen und Trendmessungen noch mit Prozentzahlen belegt wird.
So können wir uns die Situation vorstellen, als Paulus an die Gemeinde in Korinth einen Brief schrieb. Diese war in der Frage zerstritten, ob das auf dem Fleischmarkt verkaufte Opferfleisch gegessen werden darf oder nicht. Beide Seiten der Meinungsvertreter diskutierten kontrovers, eine Spaltung der Gemeinde drohte. Paulus forderte, dass die Gemeindemitglieder  trotz aller gegensätzlicher Ansichten  ausgewogen mit der christlichen Lehre umgehen und, bei allen Differenzen und unterschiedlichen Meinungen, zur eigentlichen Aufgabe der christlichen Gemeinschaft zurückfinden sollten.  Das miteinander Verbindende und das gemeinsame Ziel  ist,  die ‚Gute Botschaft‘ leben und in die Welt hinaustragen. Eine Polarisierung der Ansichten ist am Ende niemandem nützlich und der guten Sache schon gar nicht.
Heute diskutieren wir nicht den Verzehr von Opferfleisch. In der aktuellen Diskussion geht es sowohl um moralische Wertmaßstäbe von Politikern als auch um die Aufgabe der Presse. Unsere Zeit ist stark geprägt von einem Individualismus, in dem jeder bereit ist, für seine persönlichen Interessen zu kämpfen und sie durchzusetzen. Daher sind die Worte von Paulus ausgesprochen aktuell, wenn er die Menschen in Korinth - und damit auch uns - daran erinnert, dass wir nicht nur leben, um unsere eigenen persönlichen Wünsche und Ansichten durchzusetzen.  
Die Frage ist nicht: Ist das erlaubt? Oder ist dieses mir nützlich? Dient dieses zu meiner Erbauung?  Sondern die Frage sollte sein: Ist es zum Nutzen und Wohlbefinden
ALLER?