Dorfkirche 800 Jahre Dorfkiche

 

 

 

 

Die Tempelhofer Glaubenskirche

Die Gemeinde Tempelhof geht auf die Gründung der Komturei Tempelhof des Tempelherrenordens zwischen 1184 und 1215 zurück. Sie ist damit älter als jeder andere Kirchenstandort Großberlins. Nach der Zwangsauflösung des Ordens 1312 fiel Tempelhof zunächst an den Johanniterorden, der verlor es 1435 in Folge einer Fehde mit der Doppelstadt Berlin-Cölln. Die Befestigungen der Komturei verschwinden, und die Komtureikirche wird zur Dorfkirche. Die Bevölkerungszahl sinkt im 17. Jahrhundert so rapide, dass Tempelhof 1693 Filiale von Britz wird. Da der Pfarrer dort wohnt, gehen der Gemeinde das Tempelhofer Pfarrhaus und der Pfarrgarten verloren. Ab 1717 ist das Patronat an den Besitzer des Rittergutes Tempelhof gekoppelt. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wird Tempelhof ein beliebter Ausflugsort der Berliner. 1855 wird eine Pferdebuslinie eingerichtet die es den Ausflüglern erlaubt, den Ort bequem zu erreichen. Gleichzeitig beginnt die Bevölkerung rapide zu wachsen. 1800 lebten ganze 241 Einwohner in Tempelhof, 1858 dagegen bereits 849. Bis zur Reichsgründung 1871 stieg die Zahl weiter auf 1417 und nur vier Jahre später auf 2205 Einwohner. Die Erschließung des Rittergutes als Bauland durch den Bankier Friedrich Karl Jaques und der Verkauf des Ackerlandes durch die dadurch reich werdenden Bauern beschleunigt die Urbanisierung noch. 1890 zählt man schon 5423 Einwohner doch bis 1900 verdoppelt sich ihre Zahl fast auf 9991. Durch die Vergrößerung der Gemeinde wurde die Auspfarrung aus der Gemeinde Britz nötig, am 12. Februar 1892 beschloss der GKR diese. Mit Dr. August Fröhne wurde am 1.1.1893 der erste Pfarrer für Tempelhof durch den Patronatsherren bestimmt. Bereits am 1.4.1894 wird Albert Dönitz sein Nachfolger und regt den Bau einer größeren Gemeindekirche an. Die alte Dorfkirche ist längst zu klein, doch es fehlt an Bauland für die neue Kirche. 1901 liegt das Patronat bei der Tempelhofer Terraingesellschaft, da dieses neben Rechten auch erhebliche Pflichten beinhaltet ist diese bereit, das Grundstück für den Bau von Kirche und Gemeindehaus im Tausch gegen  die Ablösung des Patronats zur Verfügung zu stellen.

1903 wird ein Kirchbauverein gegründet. Der Gemeindekirchenrat lehnt den Bau einer neuen Kirche jedoch aufgrund der zu erwartenden hohen Kosten zunächst ab. 1911 waren die Planskizzen fertig und erst am 24.5.1912 wurde der Bau durch den GKR endgültig beschlossen. 1913 wird der ursprüngliche Plan, der einen Spitzturm vorsah, abgewandelt, die Gemeinde wünscht nun einen „großstädtischen“ stumpfen Turm, der dafür um 4 m höher ist als der erste Entwurf. Am 6.11.1913 beginnen die Ausschachtarbeiten.


Die Grundsteinlegung erfolgt vier Monate später in Anwesenheit der damals unverzichtbaren Krieger-, Flotten-, und Verschönerungsvereine. Begleitet von der Kapelle des Garde Train Batallions, singt die Gemeinde den Choral: „Gott ist unsere Zuversicht“.
Nur wenige Monate später brach der erste Weltkrieg aus. Der GKR beschloss zur ewigen Erinnerung an diese „große“ Zeit, die Fenster als Feldherrenfenster zu gestalten. Es gelang dem Konsistorialpräsidenten Steinhausen dann jedoch die Gemeindevertreter von friedlichen Motiven zu überzeugen. Auch die Namensgebung der im Bau befindlichen Kirche war umstritten. Der patriotische GKR favorisierte zunächst „Siegeskirche“ oder „Kreuzritterkirche“. Auch hier konnte Steinhausen mildernd wirken, am 29. August 1915 fand vormittags um 10 Uhr die Einweihung unter dem Namen Glaubenskirche statt. Während in Frankreich die Materialschlachten tobten, bot Tempelhof ein Bild tiefsten Friedens. Die Weihhandlung vollzog Generalsuperintendent Propst Haendlervor einer aus Frauen, Kindern und alten Männern bestehenden Gemeinde.


Das Altarbild zeigt deutlich den Einfluss des Krieges auf die Gemeinde, es zeigt den Hauptmann von Kapernaum als einen „Helden des Glaubens“, wie der damalige GKR seine Auswahl begründete.
Die Glocken wurden am 11.9.1914 auf Beschluss des GKR in Bochum bestellt. Da die gesamten Bronzebestände im Kaiserreich der Munitionsfertigung vorbehalten waren, wurden sie aus Gussstahl hergestellt. Die große Glocke erhielt die Inschrift: „Nun wir denn sind gerecht geworden durch den Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesum Christum“ (Römer 5,1). Dazu kamen die Namen der Mitglieder des GKR und der Architekten. Die rechte Glocke trägt die Inschrift:“ Die Liebe höret nimmer auf“ (1. Korinther 13,8) und  die linke: “Hoffnung lässt nicht zu Schaden werden“ (Römer 5,5). Gestimmt wurden die Glocken auf die Töne a, g und es. Die frühe Bestellung war ein Glück. Als im Mai 1917 das Kriegsamt / Metallmobilmachungsstelle die Beschlagnahme aller Bronzeglocken verfügte, war ein Ersatz durch Gussstahl bereits nicht mehr möglich. Nur weil für Gussstahl bei den Behörden kein größeres Interesse bestand, haben die Glocken beide Weltkriege überstanden. Zu den Kosten von 12700 Mark kamen noch 3430 Mark für das Läutwerk der Berliner Firma Theodor Körner hinzu. Die Turmuhr konnte 1915 nur mit Zeigern aus Holz fertiggestellt werden, ihr Hersteller war die Firma Georg Richter (Hoflieferant). Mit ihr gab es in der Folge immer wieder Schwierigkeiten, vermutlich ist sie infolge der kriegsbedingten Probleme nicht mit der notwendigen Sorgfalt montiert worden. Das Kupferdach wurde 1918 beschlagnahmt und durch Ziegel ersetzt.

Die Orgel wurde im November 1914 bei der Orgelbauanstalt W. Sauer in Frankfurt a.O. bestellt. Die 3573 Pfeifen wurden teils aus Zinn, teils aus Holz angefertigt. Die „tiefen“ Pfeifen wurden aus mit Aluminiumbronze überzogenen Zink gefertigt. Die Orgel wurde zum 15.6.1915 fertig. Später wären ihre Zinnpfeifen aufgrund des Rüstungsbedarfs nicht mehr zu beschaffen gewesen. Die Orgel wurde nach dem Vorbild der Konzertorgel in der Jahrhunderthalle in Breslau im 55 Stimmen System gestaltet. Als technische Besonderheit verfügte sie über ein Fernwerk mit einem Schallkanal zur Apsis, wo dieser ein Echo erzeugen sollte. Die Konstruktion hat sich jedoch nicht bewährt, als aufgrund der Bombenschäden 1945 Wasser durch das Schallaustrittsloch in die Apsis drang, wurde es geschlossen. Zuletzt wurde die Orgel 1991 durch die Firma Schuke/Potsdam instand gesetzt.


Das Dritte Reich ging an der Glaubenskirche nicht spurlos vorüber. Die NSDAP nahen Deutschen Christen in der Gemeinde sorgten  für die Umwidmung der „Brauthalle“ in eine „Adolf-Hitler-Halle“ mit einer großen Bronzebüste Hitlers. Die Wände wurden mit Skizzen aus Hitlers Potsdamer Rede ver(un)ziert. Ein vermeintlicher „Zionsstern“ an der Kirchendecke musste einem Hakenkreuz weichen. Diese Maßnahmen gingen von den ca. 5% Anhängern der DC aus, die auch für eine zunehmende „Germanisierung“ der Gottesdienste sorgten, und deren Gauleiter ausgerechnet der Tempelhofer Pfarrer Friedrich Tausch war. Andererseits traten die Pfarrer Buchholtz und Seeberger dem „Pfarrernotbund“ um Martin Niemöller bei. Am 28.1.1944 wurde die Dorfkirche völlig zerstört, zwei Tage später wird das Dach der Glaubenskirche beschädigt. Die Betonwölbung hatte zum Glück alle Brandbomben harmlos ausbrennen lassen, das Kircheninnere war mit dem Hausrat ausgebombter Gemeindeglieder vollgestopft und hätte wie Zunder gebrannt. Die Fenster waren aber alle restlos zerstört und es regnete hinein. Das Gemeindehaus wurde nach der Kapitulation erst sowjetische und dann amerikanische Kaserne. Pfarrer Seeberger erlangte aber schon im Mai die Genehmigung zum ersten Nachkriegsgottesdienst in der Glaubenskirche. Eine behelfsmäßige Reparatur begann im August 45, doch es fehlte an allem, was zu einem normalen Gemeindeleben nötig war. Die Blockade unterbrach die Anstrengungen zur Wiederherstellung, die „Friedensmäßige“ Eindeckung der Dächer erfolgte deshalb erst 1952. Die Fenster wurden bereits 1951 durch die Bauhütte der Christlichen Künste im Jugendstil neu gestaltet. Die Reparatur von Orgel und Turmuhr folgte 1955. Ende der 80er Jahre wurde eine Fußbodenheizung eingebaut, wobei auch neue Bodenfliesen verlegt wurden. Die Wände wurden mit warmen Farbtönen neu gestaltet und zusätzlich die baulichen Voraussetzungen für kleine Andachten um einen Abendmahlstisch geschaffen. Die Bänke wurden verkürzt, dafür können heute Stühle im Halbkreis um das Tischpodest gestellt werden.

 

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